Minergie ist das Schweizer Label für Gebäudeperformance. Es ist weder eine gesetzliche Pflicht noch ein Zustandsausweis: Es ist ein Standard, den man anstrebt und den die meisten Kantone mit einem Beitrag pro Quadratmeter belohnen. Dieselbe Sanierung ist jedoch nicht überall gleich viel wert — die Spanne erreicht 60 Prozent.
Minergie ist kein Ausweis, sondern ein Standard
Die häufigste Verwechslung betrifft den GEAK. Der Gebäudeenergieausweis misst die bestehende Leistung eines Gebäudes und stuft sie von A bis G ein: eine Feststellung. Minergie beschreibt eine zu erreichende Leistung: ein Ziel mit Pflichtenheft, überprüft durch eine Zertifizierung.
Das eine beschreibt, was Sie haben, das andere, was Sie anstreben. Einzelne Kantone verlangen Ersteres als Fördervoraussetzung und belohnen Letzteres über einen eigenen Ansatz. Beide können also im selben Dossier vorkommen, ohne einander zu ersetzen.
Das Label wird vom Verein Minergie auf Gesuch erteilt, mit provisorischer Zertifizierung bei Einreichung und definitiver Zertifizierung nach Ausführung. Es ist diese provisorische Zertifizierung, die die Kantone einem Fördergesuch beigelegt haben wollen.
Die vier Ausprägungen
Minergie
Der Basisstandard: leistungsfähige Hülle, kontrollierte Lufterneuerung, sommerlicher Wärmeschutz. Die Einstiegsstufe, und jene, die die meisten kantonalen Ansätze als Referenz nehmen.
Minergie-P
Verschärfte Anforderungen an Hülle und Luftdichtheit, nahe der Passivhauslogik. Die kantonalen Ansätze zahlen dafür rund 50 Prozent mehr als für den Basisstandard.
Minergie-A
Über das Jahr ausgeglichene Energiebilanz, in der Regel über eigene Solarproduktion. Wenige Kantone weisen sie im Ansatz gesondert aus; Bern ist eine bemerkenswerte Ausnahme.
Die Ergänzung ECO
Kumuliert sich mit den drei vorherigen und betrifft Gesundheit und Ökologie der Materialien, Tageslicht und Lärm. In mehreren Kantonen bringt sie einen bescheidenen Zuschlag — ausser in Zürich, wo sie zur Zugangsvoraussetzung wird.
Was das Label wert ist, Kanton für Kanton
Ansätze für die Gesamtsanierung unter Label, in Franken pro Quadratmeter Energiebezugsfläche. «Einfamilien» bezeichnet das Ein- oder Doppeleinfamilienhaus, «Mehrfamilien» das Mehrfamilienhaus.
| Kanton | Minergie Einfamilien | Minergie Mehrfamilien | Minergie-P Einfamilien | Minergie-P Mehrfamilien |
|---|---|---|---|---|
| Bern | 160 | 90 | 180 | 110 |
| Jura | 160 | 125 | 200 | 165 |
| Freiburg | 150 | 100 | 200 | 150 |
| Zürich (nur ECO) | 110 | 70 | 165 | 100 |
| Aargau | 100 | 60 | 155 | 90 |
| Basel-Stadt | 100 | 60 | 155 | 90 |
| Luzern | 100 | 60 | 155 | 90 |
| Schwyz | 100 | 60 | — | — |
| Waadt | 100 | 60 | 155 | 90 |
| Neuenburg | 100 | 65 | 155 | 95 |
| Glarus | — | — | 200 | 120 |
Schaffhausen und Thurgau wenden denselben Sockel von 100 Franken beim Einfamilienhaus an, strukturieren das Mehrfamilienhaus aber als Pauschale plus variablen Anteil (CHF 10 000 + 80/m², Mindestbeitrag CHF 35 000 bis 40 000). Bern führt zusätzlich eine Minergie-A-Zeile mit CHF 200 / 130. Glarus begrenzt den Beitrag auf CHF 64 000 pro Objekt.
Genf, Zug, Wallis, Uri und Tessin fördern das Label ebenfalls, doch ihr Ansatz hängt von der Variante oder der angestrebten Klasse ab und lässt sich nicht auf eine einzige Zahl bringen — für diese fünf Kantone ist der Betrag vor jeder Finanzierungsplanung am offiziellen Dokument zu prüfen.
Drei Dinge, die diese Übersicht zeigt
- Der Sockel ist national, die Grosszügigkeit kantonal. Die CHF 100 / 60 / 155 / 90 stammen aus dem harmonisierten Modell, das die Mehrheit der Kantone übernommen hat. Bern, der Jura und Freiburg weichen bewusst nach oben ab: Dieselbe Minergie-P-Sanierung im Mehrfamilienhaus bringt dort 110 bis 165 Franken pro m², anderswo 90.
- Zürich hat das Ziel verschoben. Der Kanton zahlt nicht für Minergie allein, sondern für Minergie-ECO und Minergie-P-ECO. Das Label ohne die ökologische Ausprägung anzustreben, begründet dort keinen Anspruch — ein Planungsfehler, der spät auffällt.
- Beim Mehrfamilienhaus ist die Spanne am grössten. Zwischen 60 Franken pro m² in der Waadt oder im Aargau und 125 im Jura liegt bei gleicher Leistung Faktor zwei. Auf 1200 m² EBF wiegt die Ansatzdifferenz schwerer als die meisten technischen Entscheide.
Wann sich das Label lohnt — und wann nicht
Das Label kostet: Studien, Zertifizierung, höhere bauliche Anforderungen. Es lohnt sich, wenn ohnehin tiefgreifend saniert wird — Hülle und Heizung zusammen — weil sich der Beitrag dann auf die gesamte beheizte Fläche bemisst und nicht auf eine einzelne Position.
Für einen Teileingriff lohnt es sich deutlich weniger. Nur Fenster oder nur Heizkessel zu ersetzen fällt unter die Einzelmassnahmen des Gebäudeprogramms mit eigenen Ansätzen: Ein Label für eine Baustelle anzustreben, die es nicht erreichen wird, erzeugt Studienkosten ohne Gegenwert.
Und ein Punkt zur Reihenfolge: Das Gesuch muss in allen Kantonen den Arbeiten vorausgehen, und die provisorische Zertifizierung gehört ins Dossier. Eine vor dem Entscheid begonnene Baustelle verliert den Beitrag, unabhängig vom erreichten Standard.
Was wir tun — und was nicht
Parcellis zertifiziert nicht und ist keine Minergie-Zertifizierungsstelle. Minergie ist eine Marke des gleichnamigen Vereins und wird hier referenziell genannt. Wir lesen die amtlichen kantonalen Ansätze und zeigen Ihnen belegt, welche für Ihr Gebäude gelten.